Mabon – Gedanken zu einem „Agrar-Fest“

Viele nennen es Mabon, bei uns heißt es Alban Elved. Es ist ein Sonnenfest. Genau genommen ist es der Tag, an dem die Länge der Nacht an der des Tages vorbeizieht. Nun wird die Nacht also länger sein als der Tag.

Ein bisschen Astronomie

Die Jahreszeiten, und damit auch die Tageslichtlängen entstehen daher, dass die Erde nicht senkrecht auf ihrer Umlaufbahn sitzt. Sie sitzt schief, 23,44°, um genau zu sein. Dadurch wird einmal mehr die Südseite angestrahlt, dann wieder mehr die Nordseite. Und dann ist dort jeweils Sommer.

Durch die Erdneigung enstehen Sonnewenden und Äquinoktien, die bei uns Tag-und Nacht-Gleichen genannt werden.

Je nachdem, wo nun die Erde bei ihrem Umlauf zur Sonne steht, ist entweder eine Halbkugel der Sonne mehr zugewandt (Sommer), mehr abgewandt (Winter) oder aber beide Halbkugeln bekommen gleich viel Sonne ab (Frühling/Herbst). Man könnte also auch sagen, dass die Tag-und-Nachtgleiche die Sonne auf die andere Erdkugelseite wandern lässt.

Die Sage um Mabon

Es geht die moderne Sage, dass es ein Sonnenkind gibt, das Mabon genannt wird. Modern bedeutet hier, dass es eine Sage ist, die sich im Tafelrundenkreis bewegt. Die wurden erst im 12. Jahrhundert von ihrem geistigen Schöpfer in die Welt gebracht. Inwieweit er Mabon aus älteren Bezügen holte weiß ich nicht zu sagen.

So oder so, die Sage spricht davon, dass Mabon im Alter von nur drei Tagen entführt und später von Amsel, Hirsch und Eule gefunden respektive von Artus gerettet wurde. Klar jedoch ist, dass die Interpretation, dass Mabon das Sonnenkind ist eine sehr moderne ist. Seine Zeit in der Anderwelt die Erneuerung der Sonne zwischen Alban Elved und Alban Arthan (Yul) zu sehen mag sich gut herleiten lassen, ist aber nicht untermauerbar.

Mabon ein Agrarfest?

Was feiern wir an Mabon bzw. Alban Elved? Es wird gern als Erntefest bezeichnet. Oft liest man, dass es landwirtschaftliche Wurzeln hat. Doch überzeugend ist das nicht. Erntestart ist schon viel früher im Jahr, beispielsweise die Spargel im April. Die Ernte ist auch nicht im September fertig. Futterrüben, Nüsse, Pilze, Kürbisse und andere (Feld)früchte sind erst später dran.

Wenn wir es genau betrachten ist dieses Fest ein Abschied des Sommers. Es wird dunkler, etwas kühler und die Bäume beginnen bald, sich auf den Winter vorzubereiten. Für die heutige Landwirtschaft hat das keine Bedeutung. Und es ist auch unwahrscheinlich, dass das Fest früher in der Landwirtschaft je eine große Rolle spielte. Warum auch? Für Landwirte bedeutet es weder Verhaltensänderung noch Vorbereitung.

Macht Mabon dann überhaupt Sinn?

Ist Mabon also unsinnig? Ist Mabon ein unechtes, ein erfundenes Fest? Nun, Lughnassad gab es vor dem Tod von Lugh wohl auch nicht. Pfingsten vor dem Christentum ebenso wenig. Es kommt heute nicht darauf an, wie alt ein Fest ist. Ich sehe es als vollkommen unnötig an, einem Fest durch – echte oder fiktive Wurzeln – eine Form der Authentizität zu geben. Nein. Wichtig ist, was wir heute daraus machen! Was bringt uns ein Fest, das uralt ist, wir es aber nicht mehr feiern, weil wir keinen Bezug dazu haben? Was nutzt es uns, Vorstellungen zu beleben, die mit dem heutigen Leben nichts mehr zu tun haben? Da bringt uns alles Wissen um alte Zeiten nichts.

Es könnte ein Korb für Mabon sein, so voller Äpfel und Brot.
Ein Bild, das auch typisch für Mabon sein könnte. Zumindest Äpfel werden in dieser Zeit tatsächlich geerntet.

Was also feiern wir heute?

Was DU feierst, das kann ich dir natürlich nicht sagen, immerhin sind wir Heiden mannigfaltig. Ich aber feiere, dass die Periode der Trockenheit langsam zu Ende geht. Ich feiere, dass die Pflanzen ihren Sommerstress ablegen können und im Winter, wenn vielleicht keine oder nur wenig Energie, zumindest etwas so dringend nötiges Wasser brauchen. Dass am heutigen Tag die Sonne, erzürnt durch unseren Umgang mit dem Klima, in ihrer verbrennenden Kraft nachlässt und die Natur ein wenig zur Ruhe kommen kann, das feiere ich!

Auch lässt sich wunderbar alles, was einen Ausgleich braucht, am heutigen Tag feiern. Ich liebe es, den Energieaustausch, diesen wunderbaren Ausgleich in der Natur zu spüren. Es ist der Tag, an dem wir langsam in die Dunkelheit kippen. Wie sieht das mit unseren eigenen, dunklen Seiten aus? Verdrängen wir sie zu oft? Ignorieren wir sie? Könnte heute nicht ein Tag sein, an dem wir sie einmal hervor nehmen, sie betrachten und sie vielleicht sogar umarmen?

Immerhin sind wir erst ganz, wenn wir diese beiden Teile erkennen, kennen und letztlich auch lieben lernen.

Ich finde, das sind wunderbare Möglichkeiten, dieses Fest zu feiern, anstatt an (falschen) Pseudofakten dem Fest einen völlig unpassenden Klang zu geben.

Die Lichtung

Eine Lichtung beflügelt seit jeher die Phantasie der Menschen.

Eine wunderschöne Vorstellung zu Mabon ist dieses Gedankenbild:

Wir befinden uns auf einer spätsommerlichen Lichtung. Licht und Dunkelheit schauen sich kurz um, treten dann beide stolz auf die Lichtung und aufeinander zu. In der Mitte der Lichtung bleiben beide stehen und betrachten sich. Dann breitet die Dunkelheit eine Decke zwischen beiden aus. Das Licht stellt Wein und Obst, die Dunkelheit Käse und Brot auf die Decke. Beide setzen sich. Sie füllen die Weinkelche, die das Licht mitbrachte, tun sich von Obst, Brot und Käse auf und stoßen auf Alban Elved an. Sie lachen viel, erzählen sich, was im letzten halben Jahr passiert ist und alsbald, wenn die Zeit es verlangt, packen sie ihre Sachen wieder ein, gehen aneinander vorbei und verlassen die Lichtung wieder am entgegengesetzen Ende.

Mit diesem Bild im Kopf werde auch ich mich nun ans Feiern machen.

Wie feierst du denn? Was steht für Dich an Mabon im Mittelpunkt?

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